Rauschreduzierung mit Median Stacking in Photoshop

Rauschreduzierung mit Median Stacking in Photoshop

In diesem Beitrag erkläre ich euch wie ihr mit Photoshop durch Stapeln mehrerer Aufnahmen der selben Szene das Bildrauschen eurer Fotos reduzieren könnt und dabei gleichzeitig die Schärfe und Details verbessert!

Jeder Fotograf kennt es: Dank einem veränderbaren ISO-Wert von digitalen Kameras kann fast jede Kombination aus Belichtungszeit und Blende zu einer korrekten Belichtung genutzt werden – Ein Luxus von dem man zu Zeiten der analogen Fotografie nur träumen konnte, schließlich hatte dort jeder Film einen festen ISO-Wert. Ganz so toll ist die Realität aber nicht: Die meisten Fotografen nutzen nur einen Bruchteil der ISO-Reichweite ihrer Kamera. Grund dafür ist das steigende Bildrauschen bei hohen ISO-Werten. Wer Wert auf Details und Schärfe legt, wird schnell an eine Schmerzgrenze des ISO stoßen, den man wenn möglich nicht überschreiten will.

Rauschreduzierung in Lightroom und Co können helfen, jedoch gehen dabei zwangsläufig Details verloren. Ein ganz anderen Ansatz liefert das Median-Stacking. Dafür könnt ihr von einer stillen Szene mehrere Aufnahmen machen, und diese in Photoshop überlagern („stapeln“ oder „stacken“). Dabei wird nicht nur das Rauschen drastisch reduziert, in der Regel verbessert ihr dabei sogar die Schärfe und macht mehr Details sichtbar als in einer Einzelaufnahme. Dafür solltet ihr die Bilder idealerweise von einem Stativ machen, aber mindestens irgendwo ruhig abstellen. Auch ein Fernauslöser ist fast Pflicht um die Kamera beim Auslösen nicht zu verwackeln. Um schließlich (bis auf das Rauschen) identische Aufnahmen zu erhalten solltet ihr auch die Belichtung und den Fokus manuell vornehmen und den Bildstabilisator deaktivieren.

Denkt dran, dass ihr die RAW-Aufnahmen eurer Kamera benutzen müsst – Auf den von der Kamera produzierten JPEGs ist in der Regel bereits eine Rauschreduzierung ausgeführt worden, was zum unwiderruflichen Verlust der Details führt.

Ich habe zum Median-Stacking zwei Videos gemacht die grob aufeinander aufbauen, in diesen erkläre ich euch sehr genau die Vorgehensweise in Photoshop und wie das Median-Stacking überhaupt funktioniert.

Teil 1 : Menschen automatisch aus Fotos entfernen mit Median Stacking

Teil 2 : Verlustfreie Rauschreduzierung mit Median Stacking

Mehrere Fotos als Ebenen in Photoshop laden

Um die Fotos bequem in Photoshop zu laden benutze ich Adobe Bridge welches Teil der Creative Cloud (bzw. Creative Suite) ist und somit allen legitimen Photoshop-Nutzern zur Verfügung steht. Das geht folgendermaßen:

  1. Auswahl aller zu stapelnden Bilder in Adobe Bridge
  2. Oben in der Leiste auf „Werkzeuge“ klicken
  3. Im Dropdown-Menü erst auf „Photoshop„, dann „Dateien in Photoshop-Ebenen laden“ klicken

Bilder automatisch ausrichten

Falls notwendig können die einzelnen Fotos mit Photoshop automatisch ausgerichtet werden, dazu wählt man die Ebenen aus, klickt in der oberen Leiste auf „Bearbeiten“ und dort auf „Ebenen automatisch ausrichten“

Median-Stack erstellen

In Photoshop werden Stapel aus Smartobjekten erstellt:

  1. Wählt alle Ebenen aus
  2. Wählt oben in der Leiste „Ebene“ – „Smartobjekte“ – „In Smartobjekt konvertieren„. Hiernach werden alle eure Ebenen auf das Smartobjekt reduziert, welches ihr danach alleine im Ebenen-Tab seht.
  3. Mit dem ausgewählten Smartobjekt klickt wieder oben auf „Ebene“ – „Smartobjekte“ – „Stapelmodus“ – „Median

Ergebnisse

Obwohl ich mittlerweile hauptsächlich mit Sony Systemkameras im Vollformat fotografiere, habe ich für diesen Test meine Nikon 1 V3 genommen. Der Grund dafür lag hauptsächlich im kleinen 1 Zoll Sensor und dem gut sichtbaren Rauschen sowohl bei hohem als auch bei niedrigen ISO-Werten. Es ist auch wichtig zu verstehen, dass Stapeln lediglich die Sensor-Performance verbessert – Sollte das Objektiv nicht ausreichend scharf sein wird sich auch die Schärfe im Median-Stack nicht verbessern. Als Objektiv kam daher das 1 Nikkor 18,5mm 1:1,8 zum Einsatz, da dies eines der schärfsten Objektive für die Nikon 1 ist.

Als erstes habe ich das Verhalten bei ISO 6400 getestet. Dafür habe ich 44 Aufnahmen (1/125 s und f/4) einer selbst gedruckten Testkarte gemacht. Für eine 100%-Ansicht können die Bilder zum Vergrößern angeklickt werden. Hier sehr ihr das RAW durch Adobe Camera RAW (Standardeinstellung, d.h. mit Farbrauschen reduziert) entwickelt, das JPEG aus der Kamera (OOC, „out of camera“) und das Ergebnis des Median-Stacks. Ich denke die Verbesserung spricht für sich.

Schließlich noch ein Test bei ISO 160, dem niedrigsten Wert der Nikon 1 V3. Hier wurden 24 Aufnahmen (1/6 s und f/3,5) gestapelt, im Vergleich seht ihr wieder das RAW, das OOC JPEG und den fertigen Median-Stack. Hier muss man wirklich schon sehr genau hingucken um einen Unterschied feststellen zu können – Achtet man aber auf Staubkörner und Fussel sollte die Verbesserung auch hier eindeutig erkennbar sein.

Es zeigt sich also: Rauschen lässt sich bei unbewegten Motiven sehr effizient durch das Stapeln von Bildern reduzieren. Das Median-Stacking ist damit ein Werkzeug das sich zwar nicht in jeder Situation verwenden lässt, dafür aber unglaublich effizient und leistungsstark ist. Besonders interessant ist es in der Architekturfotografie, wo zusätzlich noch alle Personen und Autos automatisch verschwinden (Siehe mein Video Menschen automatisch aus Fotos entfernen mit Median Stacking). Aber auch in Bereichen wie Produkt- und Food-Fotografie lässt sich das Median-Stacking gut anwenden. Grade wenn eine Aufnahme veröffentlicht oder an einen Kunden geliefert werden soll und hohe Qualität bis ins Detail benötigt wird, lässt sich ein Resultat weit über den Möglichkeiten der eigenen Kamera erzielen.

1 Gedanke zu “Rauschreduzierung mit Median Stacking in Photoshop

  1. Der Artikel und die Videos sind wirklich sehr informativ und haben sicherlich ne Menge Arbeit gemacht! 😉
    Hab vorher schon das Median-Stacking ausprobiert, um belebte Plätze von Personen zu entfernen. Durch durch deine Erklärungen habe ich aber noch einiges dazugelernt.
    Bin gespannt was es noch auf deiner Seite zu entdecken gibt.

    Gruß Eike!

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